„Houthavens Botanique verbindet Bepflanzung, Kunst und soziale Begegnung zu einem lebendigen Stadtraum.“
Von der Brachfläche zum botanischen Begegnungsort
In einem der dynamischsten Stadtviertel Amsterdams entstand eine unerwartete Oase der Ruhe. Wo sich einst eine verdichtete Baustellenfläche befand, lädt heute Houthavens Botanique als Pocketpark Bewohner, Besucher und Fachleute dazu ein, zwischen Bäumen, Stauden und Kunst miteinander in Kontakt zu kommen.
Das Projekt wurde auf Initiative von Erwin Stam Tuinstudio und Heren2 gemeinsam mit der Baumschule Ebben realisiert. Entstanden ist ein Ort, an dem Natur, Begegnung und Experimentierfreude auf harmonische Weise miteinander verbunden werden.
Ein hochwertiger Grünraum für das Quartier
Auf einer brachliegenden Fläche von Heren2 in den Amsterdamer Houthavens stand der Eigentümer vor der Entscheidung, das Grundstück vorübergehend ungenutzt zu lassen oder einen Mehrwert für das Quartier zu schaffen. Ursprünglich war lediglich vorgesehen, einige Bäume zu pflanzen und damit den ohnehin grünen Stadtteil weiter aufzuwerten. Der Landschaftsarchitekt Erwin Stam erkannte jedoch das deutlich größere Potenzial des Standorts.
Inspiriert von Pocketparks, die er zuvor in den USA und Australien besucht hatte, entwickelte er ein Konzept, in dem Begrünung nicht nur gestalterisches Element ist, sondern als Grundlage für Begegnung und soziale Interaktion dient. Mitten in einem Stadtviertel im Wandel entstand ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, entspannen und neue Inspiration finden können.
„Ich hatte einen hochwertigen grünen Ort vor Augen, an dem Menschen nicht einfach hindurchgeleitet werden. Keinen Weg zum Joggen oder schnellen Radfahren von A nach B, sondern einen Freiraum, der dazu einlädt, das Tempo zu reduzieren und zur Ruhe zu kommen.“
Erwin Stam
Diese Vision spiegelt sich in jedem Detail des Parks wider. Klassische Gestaltungselemente, sanft geschwungene Hecken und ein runder Platz schaffen eine einladende Atmosphäre. Kunstwerke in Form eines großformatigen Wandgemäldes und einer Holzskulptur unterstreichen den Charakter des Ortes. Der erhöhte Weg mit seiner Baumallee dient nicht nur als Spazierweg, sondern bietet zugleich Potenzial als Bühne für Modenschauen, Theateraufführungen und Veranstaltungen für das Quartier.
Die Grundlage für ein gesundes Wachstumsklima
Hinter dem grünen Erscheinungsbild verbirgt sich ein durchdachtes technisches Konzept. Das Gelände bestand ursprünglich aus Baugrund mit stark verdichtetem Lehmboden, wodurch Regenwasser während des niederschlagsreichen Winters 2024/2025 nur schwer versickern konnte. Dies bildete den Ausgangspunkt für einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Bodensanierung und ein zukunftsfähiges Regenwassermanagement im Mittelpunkt standen.
Um dauerhaft optimale Standortbedingungen zu schaffen, wurde ein Teil des vorhandenen Bodens ausgetauscht. Gleichzeitig lag der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Bodenqualität und der Regeneration des Bodenlebens. Mit feuchtigkeitsliebenden Pflanzen, darunter imposante Gunnera, bepflanzte Mulden dienen der temporären Regenwasserrückhaltung. Ein unterirdisches Drainagesystem unterstützt zusätzlich den Abfluss überschüssigen Wassers. Regenwürmer, das Wurzelwachstum und natürliche biologische Prozesse tragen gleichzeitig dazu bei, die Bodenstruktur langfristig zu lockern und zu verbessern.
Das Ergebnis ist ein System, das sich kontinuierlich weiterentwickelt. Mit zunehmender Durchwurzelung verbessert sich die Versickerungsfähigkeit des Bodens, sodass sich nach und nach ein natürliches Gleichgewicht zwischen Boden und Wasser einstellt.
Ein zukunftsfähiger Baumbestand
Bei der Auswahl der Bäume stand ihre Zukunftsfähigkeit im Hinblick auf den Klimawandel im Mittelpunkt. Die Arten wurden gezielt aufgrund ihrer Fähigkeit ausgewählt, sowohl längere Trockenperioden als auch Starkniederschläge zu bewältigen. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zur räumlichen Qualität des Parks.
Eine besondere Rolle übernimmt die Weidenblättrige Eiche (Quercus phellos), die zunehmend als Baum der Zukunft gilt. Dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels eignet sie sich hervorragend für den Einsatz im urbanen Raum. Als symbolischer Auftakt des Parks pflanzten Kinder der BSO Houthaven im Rahmen des niederländischen Boomfeestdag gemeinsam mit einigen kleineren Gehölzen ein rund acht Meter hohes Exemplar dieser Baumart.
Für den trockeneren und sandigeren Bereich von Houthavens Botanique fiel die Wahl auf Pinus pinea. Mit ihrer charakteristischen schirmförmigen Krone verleiht diese mediterrane Baumart dem Park nicht nur eine markante Silhouette, sondern zeigt zugleich, welche Bedeutung Baumarten aus wärmeren Klimazonen künftig für zukunftsfähige urbane Begrünungen gewinnen können.
Charakter und Vielfalt als Grundlage
Ergänzend wurden verschiedene klimaresiliente Baumarten gepflanzt, die jeweils ihren eigenen Beitrag zum Charakter des Parks leisten. So sorgt Parrotia persica mit ihrer spektakulären Herbstfärbung für eindrucksvolle saisonale Akzente. Gleditsia triacanthos bereichert den Park mit ihrer lockeren Kronenstruktur und stellt zugleich eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten dar. Mit einem Nektar- und Pollenwert von 5 zählt sie zu den besonders bienenfreundlichen Baumarten. Die Japanische Zelkove (Zelkova serrata) wird wegen ihres eleganten Wuchses und ihrer guten Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Standortbedingungen geschätzt. Für eine immergrüne Struktur wurde die Steineiche (Quercus ilex) gewählt. Ihre ledrigen, glänzend dunkelgrünen Blätter mit filziger Blattunterseite reduzieren die Verdunstung und machen sie besonders widerstandsfähig gegenüber anhaltender Trockenheit und Hitze. Auch verschiedene Ulmenkultivare fanden aufgrund ihrer nachgewiesenen Eignung für urbane Standorte ihren Platz im Park.
Für die Umsetzung arbeitete Erwin Stam Tuinstudio eng mit der Baumschule Ebben zusammen. Diese Zusammenarbeit geht seit vielen Jahren weit über die Lieferung von Bäumen und anderen Pflanzen hinaus. Als sich die Herausforderungen hinsichtlich Bodenstruktur und Wasserhaushalt zeigten, wurden gemeinsam Lösungen entwickelt, um dauerhaft optimale Standortbedingungen und eine gesunde Entwicklung der Vegetation zu gewährleisten.
„Die Baumschule Ebben ist seit vielen Jahren ein fester Partner. Gerade bei komplexen Fragestellungen, wie den Bodenverhältnissen an diesem Standort, entwickeln wir gemeinsam die beste Lösung.“
Gestaltung und spontane Natur
Houthavens Botanique ist weit mehr als eine gestaltete Parkanlage. Der Park versteht sich zugleich als experimenteller Grünraum. Die Bäume bilden das räumliche Rückgrat der Anlage und werden durch eine vielfältige Unterpflanzung ergänzt, die bewusst Raum für natürliche Entwicklungen lässt. Eine sorgfältig zusammengestellte Wildblumenmischung sorgt während der gesamten Vegetationsperiode für Farbe und Abwechslung. Gleichzeitig erhöht sie den ökologischen Wert des Parks, indem sie Nektar, Pollen und Lebensraum für eine große Vielfalt bestäubender Insekten bietet.
Darüber hinaus wurden besondere Rosen- und Hortensiensorten gepflanzt. Auch mit Zwiebel- und Knollenpflanzen wird experimentiert. So fanden mehr als 4.000 botanische Tulpen als Frühjahrsblüher ihren Platz im Park. Diese Arten und Hybriden stehen den ursprünglichen Wildtulpen besonders nahe und zeichnen sich durch ihre natürliche Ausstrahlung, ihre kompakte Wuchsform und ihre ausgeprägte Verwilderungsfähigkeit aus. Während viele moderne Tulpensorten nach einigen Jahren verschwinden, können botanische Tulpen sich langfristig etablieren und sich sogar weiter ausbreiten.
Erwin Stam beschreibt diese Idee so:
„Unser Anspruch ist es nicht, jedes Detail zu kontrollieren, sondern dem Park die Möglichkeit zu geben, sich teilweise eigenständig weiterzuentwickeln. Er soll seinen eigenen Weg finden, ohne dabei zu verwildern.“
Raum für heimische Wildkräuter
Neben der eingesäten Wildblumenmischung wurden Stauden bewusst zwischen heimischen Pflanzenarten integriert, die häufig als Unkraut angesehen werden. Gerade diese spontan aufkommende Vegetation leistet jedoch einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Wert des Parks. Disteln (Cirsium spp.) dienen als Wirtspflanzen für den Distelfalter sowie für verschiedene spezialisierte gallenbildende Insekten. Das Kletten-Labkraut (Galium aparine) ist unter anderem für die Raupen des Labkrautschwärmers von Bedeutung, die auf Labkrautarten angewiesen sind. Johanniskraut (Hypericum perforatum) stellt eine wichtige Wirtspflanze für spezialisierte Arten wie die äußerst seltene Johanniskraut-Bodeneule dar, deren Lebenszyklus eng an Hypericum-Arten gebunden ist. Die Königskerze (Verbascum thapsus) dient wiederum als Wirtspflanze für spezialisierte Blattkäfer der Gattung Chrysolina, während die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) zahlreiche Schwebfliegen, Wildbienen und Schlupfwespen anzieht.
Grün als Katalysator für Begegnung
Seit der Eröffnung durch Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Margarita de Bourbon de Parme hat sich Houthavens Botanique zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt. Der Park bietet Raum für Nachbarschaftstreffen, Firmenveranstaltungen, musikalische Darbietungen und Bildungsangebote. So leitete Erwin Stam beispielsweise einen Workshop, in dem Kinder ihren eigenen Traumpark entwarfen.
Auch künftig bleibt der Park vielseitig nutzbar und bietet Möglichkeiten für Modenschauen, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen. Houthavens Botanique zeigt eindrucksvoll, dass selbst ein vergleichsweise kleiner Stadtpark eine große gesellschaftliche und ökologische Wirkung entfalten kann. Nicht durch möglichst viele Funktionen, sondern durch die Schaffung eines Ortes, an dem Natur, Begegnung und Kreativität einander bereichern.